Wurde das Ende des Papier-Silbermarktes eingeläutet?
Wir leben nicht nur in spannenden Zeiten. Wir leben auch in einer Zeit, in der wir, historisch gesehen, Dinge erleben, die es so noch nie gegeben bzw. zumindest schon lange nicht mehr gegeben hat.
Schon lange nicht mehr gegeben hat es die Tatsache, dass Gold inzwischen zur wichtigsten und größten Position als Reservevermögen bei Zentralbanken geworden ist. Damit wurde erstmal seit über 30 Jahren US-Staatsanleihen als bisherige Nummer Eins abgelöst (Quelle: goldseiten.de). Hierfür war nicht nur der steigende Goldpreis, sondern auch das Bestreben der Zentralbanken (insbesondere die Zentralbanken der BRICS-Staaten) verantwortlich, den physischen Goldmarkt gefühlt leerkaufen zu wollen.
Jedoch: Der Goldmarkt verhält sich vergleichsweise sehr ruhig im Gegensatz dazu, was seit rund drei Monaten auf dem Silbermarkt lost ist.
Klar, der Silberpreis schreit einem ja fast schon förmlich zu, dass hier etwas Großes im Hintergrund am Laufen ist. Dementsprechend fällt immer mehr Menschen der steigende Silberpreis auf. Allerdings hakt der Großteil davon diese Kenntnis als unwichtige Randnotiz schnell wieder ab und kehrt zu ihrem Alltag zurück.
Denn immer mehr Marktteilnehmer erkennen das Grundproblem beim Silbermarkt: die Menge an Papiersilber übersteigt die tatsächlich vorhandene Menge Silber um ein Vielfaches. Um wie viel genau der Papier-Silbermarkt überzeichnet ist, darüber lässt sich nur spekulieren.
Fakt ist, er ist definitiv mehrfach überzeichnet! In der Spitze werden Zahlen von bis zu über 300 Mal genannt. Was nichts anderes bedeutet, dass nur einer von 300 Marktteilnehmern im Ernstfall physisches Silber bekommt. Der Rest ginge dann leer aus.
Hinter den Kulissen dürften sich deswegen gerade Szenen abspielen, die für einen echten Hollywood-Blockbuster herhalten könnten. Denn wenn immer mehr Marktteilnehmer auf physische Lieferung bestehen, hat das Spiel „Die Reise nach Jerusalem“ mit Silber schon längst begonnen …
Bevor wir in die Chronologie der letzten drei Monate hineingehen, holen wir uns aber nochmals ins Gedächtnis, welchen besonderen Status echtes Silber hat.
Die einzigartige Rolle von Silber
Silber ist der einzige Rohstoff, der zeitgleich zwei wesentliche Positionen perfekt besetzt.
Silber ist wie auch Gold ein – über Jahrtausende hinweg bewiesen und bewährt – der Inbegriff für ein funktionierendes Wertsicherungsinstrument. In diesem Zusammenhang sieht das US-Analysehaus Bravos Research in ihrer Studie „Wenn sich Silber verdreifacht, wird das System zurückgesetzt“ Preissteigerungen bei diesen beiden Edelmetallen als Vorboten für einen System-Neustart und zieht dabei Parallelen bis ins Römische Reich zurück (Quelle: finanzmarktwelt.de).
Darüber hinaus ist Silber ein elementarer Baustein für viele technologische Entwicklungen der letzten Jahre und wird für die Industrie ein immer wichtigerer Rohstoff. So hat sich beispielsweise der Anteil der industriellen Silbernachfrage aus der Solarbranche von rund 11 Prozent in 2014 auf aktuell ca. 29 Prozent mehr als verdoppelt!
Das ist auch mit ein Grund, weshalb es beim Silbermarkt schon seit Jahren strukturelles Defizit gibt, d. h. es wird mehr Silber verbraucht als neu produziert wird.



Für die Industrie stellen die aktuellen Entwicklungen des Silbermarktes – dazu gleich mehr – deswegen ein Horrorszenario dar. Warum? Nachfolgende Aussage bringt das Dilemma auf den Punkt (Quelle: cash.ch):
„Neu dabei ist, dass der Preis zweitrangig ist. Denn der Silbermarkt ist komplett ausgetrocknet.“
Michael Zagorowski, Numismatiker der Zürcher Münzenhandlung Erwin Dietrich
Doch was genau ist seit Herbst letzten Jahres passiert, dass der Silbermarkt völlig verrückt spielt?
Der Silbermarkt seit Herbst 2025 – eine verrückte Chronologie
Hierzu eine kurze Timeline der wichtigsten Ereignisse:
- Bereits im September 2025 koppelte sich der Silberpreis in Shanghai (Shanghai Gold Exchange ist ein Markt mit physischer Lieferung und kein (!) Terminmarkt) von den Preisen in New York (COMEX – Warenterminbörse) ab. Allerdings erstmal nur mit einem minimalen Preisaufschlag.
- Im Oktober 2025 gab es das erste Warnzeichen aus dem Papier-Silbermarkt in London (LBMA), dass physisches Silber knapp wird. In einer „Hau-Ruck-Nacht-und-Nebel-Aktion“ konnte der Engpass in London kurzfristig behoben werden, in dem eine Menge physisches Silber aus den USA und aus China (!) nach London geflogen wurde.
- 26. Oktober 2025: China stuft Silber als strategisches Metall ein (nach der kurzfristigen Unterstützung der LBMA – s. oben) und führt Exportkontrollen bei Silber ab 01. Januar 2026 ein.
- 28. November 2025: Am großen Fälligkeitstag an der COMEX wurde der Silberhandel gestoppt, da es zufälligerweise an diesem Tag zu Serverausfällen kam.
- 01. – 04. Dezember 2025: Über 47,6 Millionen Unzen Silber werden an der COMEX zur Auslieferung angemeldet. Das entsprach über 60 % der gesamten damals verfügbaren Registered-Bestände (= sofort lieferbar).
- Weihnachten Dezember 2025: Der Preisaufschlag für Silber in Shanghai vergrößern sich sichtbar und liegt bereits bei über 8 USD pro Feinunze!
- Ende Dezember 2025: Aufgrund des stark steigenden Silbermarkts werden am 29. und 31. Dezember die Margin-Anforderungen erhöht (= Sicherheitsleistungen, die ein Trader für seinen Handel mit Terminkontrakten hinterlegen muss). Der Silberpreis steigt dennoch weiter – im Gegensatz zu 2011, als diese Maßnahmen den damaligen Silberpreis von rund 50 US-Dollar einbrechen ließ.
- 7. Januar 2026: Die COMEX erhöht erneut die Margin-Anforderungen. Dieses Mal um satte 47 %. Der physische Silberpreis ist davon weiterhin unbeeindruckt.
- 12. Januar 2026: Das US-Finanzministerium ruft kurzfristig zu einem Treffen der G7-Finanzminister in Washington, D.C. zusammen. Offiziell geht es um die Sicherung von Lieferketten bei kritischen Rohstoffen und die Verringerung der Abhängigkeit von China. Inoffiziell vermuten Marktteilnehmer, es gehe ausschließlich um den Silbermarkt.
- 13. Januar 2026: Die COMEX stellt die Berechnung ihrer Margin-Anforderungen um. Statt eines festen Dollarbetrages werden diese Anforderungen künftig prozentual vom Nominalwert berechnet. Das bedeutet nichts anderes, dass bei weiter steigenden Silberpreisen die Margin-Anforderungen automatisch weiter ansteigen.
- 14. Januar 2026: Die US-Münzprägeanstalt stellt den Handel mit ihren numismatischen Silberprodukten (Sammlermünzen) vorübergehend ein.
Darüber hinaus erreichen die Lagerbestände an der COMEX, in London und in Shanghai historisch niedrige Tiefstände.
Welche zwei Schlussfolgerungen können aus der obigen Chronologie gezogen werden und welche finale Frage fleht förmlich nach einer Antwort?
Schlussfolgerung 1
Der Run auf physisches Silber dürfte zwar schon etwas früher begonnen haben. Jedoch ist er spätestens jetzt für jeden sichtbar. Der Abzug von physischem Silber von der COMEX unterstreicht dies mehr als eindrucksvoll.
Schlussfolgerung 2
Durch die Abkoppelung der Börse in Shanghai von den New Yorker Silberpreisen ist die jahrzentelang gültige Gleichung „echtes Metall ist genauso viel wert wie Papiermetall“ Geschichte. Künftig gilt, dass echtes Metall anders – also höher – gehandelt wird als Papiermetall. Das erklärt auch, weshalb die Maßnahmen der COMEX, die Margin-Anforderungen massiv zu erhöhen, nicht den gewünschten Effekt wie 2011 erzielt haben. Gleichzeitig darf festgestellt werden, dass der Spotmarkt nun den Silberpreis bestimmt und nicht mehr die Terminmärkte.
Die Frage aller Fragen
Wie lange können die Big Player des Silbermarktes ihre Short-Positionen auf Silber noch aufrecht erhalten?
An dieser Stelle – das dürfte vielleicht einige überraschen – darf darauf hingewiesen werden, dass laut aktuellen Zahlen der COMEX J.P. Morgan, einst Halter der größten Short-Position am Silbermarkt, zwischenzeitlich die Seite auf dem Terminmarkt zu Long gewechselt hat.
Dass J.P. Morgan über Jahre hinweg physisches Silber akkumuliert hat, während sie am Terminmarkt Short war, ist weitreichend bekannt. Wenn jedoch J.P. Morgan nun sogar am Terminmarkt auf der Long-Seite positioniert ist, dann ist das ein bemerkenswertes Zeichen, wohin der Silberpreis auch künftig gehen wird.
Die Frage ist dann natürlich: Wer ist denn dann noch auf der Short-Seite positioniert? Die Daten des Commitment of Traders (COT) Report der US-amerikanischen Commodity Futures Trading Commission (CFTC) weist der Bericht vom Januar 2026 aus, dass hauptsächlich Nicht-US-Banken eine aggregierte Netto-Short-Position von etwa 205 bis 212 Millionen Unzen Silber hielten (Quelle: reddit.com).
Unabhängige Analysten und Finanzportale wie ZeroHedge oder FXStreet haben diese CFTC-Daten genauer unter die Lupe genommen und gehen davon aus, dass Banken wie HSBC, UBS, Barclays, Société Générale und Standard Chartered die Hauptinhaber der verbleibenden Short-Positionen sind.
Dunkle Wolken über Europas Bankenwelt?
Wenn Europas Banken nach wie vor große Short-Positionen in ihren Büchern haben, entstehen für sie gerade zwei Probleme:
- ein steigender Silberpreis erhöht die Buchverluste durch die bestehenden Short-Positionen. Dies gilt allerdings nur für Banken, die kein oder zu wenig physisches Silber in ihren Tresoren liegen haben, wie sie Short am Markt sind
- ein steigender Silberpreis erhöht auch permanent die Margin-Anforderungen der COMEX, was nichs anderes bedeutet, dass diese Banken für diese Positionen immer mehr Liquidität zur Verfügung stellen müssen

Insbesondere der Faktor Zeit könnte beim zweiten Punkte eine ganz wichtige Rolle spielen, sollte der Silberpreis weiterhin in kurzer Zeit hohe Preissprünge verzeichnen. Denn das hieße, die Banken müssten ebenfalls in sehr kurzer Zeit ihre Margin-Anforderungen anpassen, also mit mehr Kapital unterlegen.
Das große Finale bereits in Sicht?
Fassen wir mal zusammen:
- Der Silberpreis wird nicht mehr vom Terminmarkt primär beeinflusst, sondern vom Spotmarkt
- Die Lagerbestände sowohl an der COMEX, als auch in London und Shanghai sind auf historische Tiefstände gesunken
- Die neuen Margin-Berechnungen an der COMEX sorgen dafür, dass bei weiter steigenden Silberpreisen die Margin-Anforderungen parallel dazu ansteigen.
- Keiner weiß, bei welchem Preis in US-Dollar oder EURO Silber fair bewertet wird
- Keiner kann genau sagen, ob und wann die auf den Terminmärkten Short positionierten Banken sichtbare Probleme bekommen
- Durch die einzigartige Doppelrolle, die Silber besitzt, stehen die Chancen weiterhin gut, dass der Silberpreis erst am Beginn einer großen Aufwärtsbewegung steht und jeder Rücksetzer ideale Einstiegsgelegenheiten darstellen
Zusätzlich dürfte sich der eine oder andere private Anleger dann folgende Frage stellen:
Wie geht es mit physischem Silber weiter, wenn der Papier-Silbermarkt zusammenbricht?
Die Antwort darauf ist im Prinzip einfach zu beantworten: Es wird dann nur noch möglich sein, physisches Silber auf der klassischsten Art und Weise zu handeln. So wie es jetzt schon der Fall ist – wie beispielsweise bei uns.
Wer physisch Silber kaufen oder verkaufen möchte, sucht sich einen Händler, der Käufer und Verkäufer zusammenbringt. Wenn die Preisvorstellungen beider Seiten übereinstimmen, wird der Händler diesen Handel in die Wege leiten und Geld und echtes Metall wechseln den Besitzer. Und fertig ist das Handelsgeschäft! Für diese Dienstleistung wird der Händler eine Handelsspanne für seinen Aufwand festlegen. So wie es bei jedem echten und real vorhandenen Gut auf dieser Welt schon immer der Fall war.
Kurz gesagt: Ein funktionierender physischer Silbermarkt benötigt keinen Terminmarkt!
Jedoch bleiben dennoch Unwägbarkeiten bestehen. Denn keiner weiß, wie die Protagonisten unseres Geldsystems – also Regierungen, Zentralbanken, Banken und Börsen – auf so ein Ereignis reagieren werden.
Allerdings ist und bleibt Eigentum an ECHTEN WERTEN die beste Möglichkeit, sein Vermögen auch in so einem möglichen Szenario zu schützen.



